Von am 20. Januar 2009 in Film ab

Film: Joy Division Dokumentation [Grant Gee/2007]

Update 05.11.2012: Bei Arte.tv gibt es jetzt diese Doku für eine Woche im Stream.

Sollte man Ian Curtis – ausser auf Fotos – zum ersten Mal in „Control“ gesehen haben, wird man sich bewusst, wie „falsch“ alleine nur das Gesicht (natürlich das des Schauspielers) ist, das Anton Corbijn ausgewählt hat.

Anton Corbijn präsentierte uns, bei aller Empathie für das Schicksal seines Protagonisten, einen Ian Curtis, wie wir ihn uns schon immer vorgestellt haben dürften: als einen weiteren, wenn auch ungewöhnlichen, Rockstar. Zwar ist sein Ian Curtis ein introvertierter, sensibler Mensch – doch immer zeigt er ihn auch als Star einer Musikbranche, die diese Stars so bitter nötig hat. Doch Ian Curtis war nicht cool; sein „hate“ war nur eine Pose; sein extrovertierter Tanz nicht Teil der Show, sondern nur ein Zeichen – ein Zeichen für etwas, das er gefunden hatte, um seine viel zu intimen Geständnisse auf Platte mithilfe dieser Show auf der Bühne zu kontakarieren, bzw. zu neutralisieren. Oder um sich Luft zu verschaffen?

Und genau das zeigt uns jetzt diese Dokumentation: Tony Wilson, Bernard Sumner, Peter Hook und Stephen Morris (u.a. New Order) decken, unterstützt von echten Dokumentaraufnahmen, auf, was „Control“ nicht zeigen konnte. Sie „enthüllen“ die Geschichte einer Person, die ihre Gefühle leichtfertig einer à–ffentlichkeit offenbarte; einer à–ffentlichkeit, die diese nur als Teil einer Show betrachteten wollte. Und sie zeigt uns eine Person, die daran offensichtlich zerbrochen ist, und wie sie daran zerbrochen ist. Und sie erzählt von einigen Menschen, die um ihn herum waren und die das nicht erkennen konnten (wie sie auch selbst gestehen).

Die ausgeklügelten Effekte der Musik (und auch darüber erzählt der Film), mögen einen Teil zum Mythos Joy Division beigetragen haben. Doch Ian Curtis war und blieb – sogar bis in den Tod – eine authentische Person im Showbusiness. Das mag für Zyniker kitschig klingen. Doch das war sein Schicksal – und der Grund, warum er uns heute fehlt.

Kommentare dazu:

Wieder mal so schön ge- und beschrieben, dass mich Deine Zuneigung zu Joy Division und Ian Curtis richtiggehend berührt… Danke für´s Näherbringen dieser herausragenden Band und ihrer Musik.

Olli

genaugenommen wurde mir erst nach dem ansehen dieser doku bewusst, was mich an control wohl doch störte, damals: das inszenierte, trotz aller „nähe zur realität“. das gehetzte abarbeiten durch die curtis-biographie, als wär’s ein schul-referat. dass er (also: control) so tat, als wäre er kein film, keine geschichte, sondern ein „dokument“. bei grant gees film hab‘ ich, komischerweise (bzw eben auch nicht, herrjeh, blöde floskel), viel mehr gespürt, was für ein mensch ian curtis war bzw. wie joy division funktionierten, wie ihr umfeld, ihre szene, ihr leben sich angefühlt haben muss. control war einfach „nur“ ein (schön gefilmtes und produziertes, immerhin) geschichtchen, leider.

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