Von am 28. September 2008 in mp3 des tages

Jetlag auf der Grossen Freiheit

Ja, ja die Reeperbahn: Du Ort, an dem Hedonismus und schnelle Befriedigung sich brav mit MacDöner, der „alles-für-99-cent-Kneipe“ und den Fleischtöpfen der amerikanischen Imbissketten arrangiert haben. Du lebst nunmehr von sentimentalen Erinnerungen. Kein Seemann kehrt hier noch ein; keiner der fab four würde sich in den dunklen Kellern noch um den Verstand singen. Deine Geschichte verkommt zu einer Plastik auf dem Beatles-Platz und inzwischen dürfte eine Madonna verruchter sein, als du es bist.

Die holzgetäfelte Decke in der Grossen Freiheit 36 lässt wohl nur noch erahnen, welcher Art von Vergnügen hier einst gefrönt wurde. Heute ist 2008 und auf der Bühne spielen sich Tahiti 80 den Abend schön. Denn auch sie haben verstanden, worum es hier heute Abend geht: TV on the radio und The Lemonheads. Keine guten Vorzeichen also. Und irgendwie scheinen sich die Franzosen auch dem Schicksal ergeben zu wollen: Nach den geplanten 40 Minuten räumen sie übereilig die Bühne – vielleicht auch, um der Schmach einer brav klatschenden Menge zu entgehen, die garantiert nicht nach einer „Zugabe!“ rufen wird.

Eher rufen sie nach den ersten Protagonisten dieses Abends: TV on the radio. Die – ein wenig müde aufgrund der Zeitzonen zwischen Brooklyn und St. Pauli; ein wenig ungehalten wegen Problemen beim Aufbau des Equipments – meinen ersten Eindruck aus dem Knust 2006 nicht immer wiederholen sollten. Sei’s drum! TV on the radio sind live wie eine Kokainerfahrung, die ohne Kokain auskommt.

Was the Lemonheads angeht. Fast scheint es, als wären sie – mit ihrer längst verblassten Karriere – so etwas wie ein Sinnbild für die Reeperbahn: Die besten Jahre haben beide irgendwie schon hinter sich.

Aber das konnte ich schon nicht mehr belegen. Mit dem beginnenden Nieselregen bin ich schon wieder unterwegs.

Kommentare dazu:

Würde die Lemonheads trotzdem gerne mal sehen…

Ja, hätten Tv on the radio nicht eine halbe Stunde später begonnen, hätte ich es vielleicht noch gerade geschafft. So musste ich weiter.

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